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Leben ohne Prostata

In diesem Beitrag geht es um das Leben ohne Prostata. Um genau zu sein, geht es um die Sexualität ohne Prostata. Der Befund Prostata Krebs bzw. Prostatakarzinom ist bei den meisten Menschen ein Tabu Thema. Man spricht nicht darüber, wir greifen das Thema auf und erklären, wie sich das Leben ohne Prostata verändert.

In den meisten Fällen werden sie von ihrem Urologen über den Prostatakrebs und die dazugehörige Operation informiert. Die Operation ist eine logische Lösung, um den Lebensgefährlichen Tumor zu entfernen. Dieser Facharzt spricht auch über das Leben ohne Prostata. Die möglichen Folgen sind Inkontinenz und Impotenz.

Wichtiges vor der Operation

Der Penis wird kleiner

Direkt nach der Operation wird der Penis kleiner. Man spricht ca. von 1cm im nicht erigierten Geschlechtsteil. Das ist jedoch ein nicht bleibender Zustand. mit der Zeit wird der Penis wieder zu seiner Ursprungslänge zurück kehren. Dazu wurden jedoch keine Studien geführt, diese Information beruhen nur auf sehr wenigen Patienten.

Beim erigierten Glied gibt es wahrscheinlich keine Verkürzung. Die Verkürzung der Harnröhre hat keinen Einfluss auf den erigierten Penis. Die im Beckenboden verknüpften Schwellkörper bestimmen die Länge des Geschlechtsteils. Die verkürzte Harnröhre wird einfach nur gedehnt. Bei einer extrem verkürzten Harnröhre kann es zu Komplikationen kommen, dass ist jedoch eine sehr große und unwahrscheinliche Situation.

Samenerguss nach der Operation

Wenn die Prostata komplett entnommen wird, beginnt das Leben ohne Prostata. Dazu gehört der Wegfall des Samenergusses. Stattdessen beginnt eine trockene Ejakulation, es ist ein Sekret von Drüsen. Der Samenerguss kann nicht erhalten werden.

Durch die Entfernung der Samenblase fällt ein großer Teil des Spermas weg. Der zweite Teil stammt von den Hoden und den Nebenhoden, dieses Sperma wird jedoch durch die Prostata geleitet. Da diese nicht mehr da ist, werden die Samenleiter während der Operation abgebunden.

Sex ohne Prostata

Die Beantwortung der Frage ist nicht ohne weiteres möglich. Es hängt stark von der Art des Krebsbefalls ab. Wenn “nur” die Prostata entfernt wird und keine Nerven beschädigt werden, dann wird sich an ihrer Erektionsfähigkeit nichts ändern.

Sie können nach ihrer Operation genauso viel spüren wie vorher, dass heißt die Empfindlichkeit am Geschlechtsteil bleibt gleich. Sie können auch weiterhin einen Orgasmus haben, das Gefühl bleibt gleich. Was nicht mehr funktioniert ist der Samenerguss. Der Samenerguss ist jedoch nur ein Resultat vom Orgasmus.

Nach der Operation ist es erstmal normal wenn sie keine Lust auf Sex haben, sie sollten sich erstmal auf ihre Genesung konzentrieren. Die Libido kommt mit der Heilung nach der Operation wieder zurück.

Während der Operation kann es zu Komplikationen kommen und die Nerven im Genitalbereich werden beschädigt. Dadurch kann die Erektion beeinträchtigt werden. Durch die Beschädigung ist die Erektion Zeitweise oder für immer eingeschränkt. Nerven im Genitalbereich können sich Rückbilden, dass ist jedoch immer sehr individuell und kann nicht verallgemeinert werden.

Es gibt durchaus Fälle, bei denen nach der Operation keine Erektion mehr möglich war. Nach Jahren haben sich die Nerven im Genitalbereich erfolgreich zurück gebildet und eine Erektion war wieder möglich.

Es ist auch möglich, dass das Nervenbündel mit Krebs befallen ist, in diesem Fall muss es komplett entfernt werden und eine Erektion ist nicht mehr möglich.

Vor der Operation sollten sie mit ihrem Arzt über den Sex nach der Operation sprechen. Vielleicht kann der Arzt ihnen bereits vorher eine Einschätzung geben und ihnen sagen, was alles entfernt werden muss, aber Achtung den kompletten Befall wird man erst während der Operation sehen. Es ist also möglich das der Befall stärker oder schwächer ist.

Direkt nach der OP

Das Entfernen der Prostata ist ein großer Eingriff. Dennoch ist es im Normalfall bereits möglich am nächsten Tag aufzustehen. Das Krankenhaus kann man meistens nach ein paar Tagen verlassen, dass hängt jedoch von Fall zu Fall ab. Manche Patienten benötigen länger, um sich von einer so großen Operation zu erholen als andere.

Nach dem Krankenhaus

Sobald sie aus dem Krankenhaus entlassen wurden, beginnt ihre Regeneration. Sie sollten auf Sport und körperliche Anstrengungen für die nächsten 6 Wochen verzichten. Sie sollten mit ihrem Arzt besprechen wie sie die Reha durchführen möchten.

Die Reha sollten sie sehr ernst nehmen und nicht nur ihre Zeit absitzen. Ihre erbrachte Leistung während der Reha wird sich positiv auf ihre Gesundheit machen. Die Fortschritte werden für sie sehr schnell sichtbar werden. Eine vollständige Heilung nach der Operation dauert in der Regel einige Monate.

Die urologische Reha ist in jedem Fall zu empfehlen und steht außerdem jedem Patienten zu. In der Reha werden zum Beispiel das Beckenboden trainiert. Das Beckenbodentraining lohnt sich, um die Inkontinenz in den Griff zu bekommen, des weiteren wirkt sich das Training positiv auf die Erektionsfähigkeit aus.

Wieso muss die Prostata entfernt werden?

Gefäße und Genitalnerven die aus der Prostata kommen, werden sehr häufig von Prostata Krebs angegriffen bzw. befallen. Bereits vor der Operation lässt sich vermuten, ob ein Befall der Erektionsnerven vorliegt. Die Vermutung beruht auf einer Prostatabiopsie. Die Wahrscheinlichkeit das die Nerven im Genitalbereich nicht beschädigt werden liegt bei 50 Prozent.

Sollten die Nerven und Gefäße betroffen sein, jedoch nicht entfernt werden, so ist der Krebs nicht vollständig entfernt. Es herrscht also ein erhöhtes Risiko nicht alles zu entfernen. Daher wird die Prostata im Normalfall komplett entfernt.

Grundsätzlich sollte der Arzt die Entscheidung treffen, ob er die Nerven schonen kann. Dabei gibt es eine einseitige und eine beidseitige Nervenschonung. Diese Entscheidung wird der Arzt erst während der Operation treffen. Erst während der Operation kann sich der Arzt die Nerven live anschauen.

Man kann sich die Möglichkeiten eines Arztes wie bei einer MRT Aufnahme vorstellen. Anhand der Bilder kann der Arzt beispielsweise erkennen, ob das Kreuzband gerissen ist. Wie stark der Riss ist oder ob noch weiteres beschädigt ist, kann der Arzt erst während der Operation zu 100 Prozent sehen.

Sie sollten mit ihrem Arzt über die Erektionsfähigkeit nach der Operation reden und wie viel Risiko sie bereit sind zu gehen.

Entfernung der Lymphknoten

Durch das Entfernen der Lymphknoten bei Prostata Krebs wird der Krebs verlangsamt. Studien gibt es dazu nicht, aber ein paar Hinweise. Auch das das Entfernen der Lymphknoten die Heilung positiv beeinflusst ist möglich, aber auch dafür gibt es keine Studien.

Durch eine Untersuchung des Feingewebes kann das Risiko ermittelt werden. Wenn das Risiko für einen Krebsbefall sehr niedrig ist, können die Lymphknoten erhalten bleiben. Auch in diesem Fall hängt es sehr stark von ihrem Risikobewusstsein und dem des Arztes ab.

Unfreiwilliger Urinverlust

Patienten berichten oft davon, dass sie ihren Urin nicht mehr halten können. Nach der Operation ist das durchaus möglich, jedoch kein Grund zur Beunruhigung. Durch den Eingriff wird der Schließmuskel geschwächt und eine erhöhte Belastung wirkt auf die Beckenbodenmuskulatur.

Sollten sie keine besonders ausgeprägte Beckenbodenmuskulatur haben, können sie bei Belastungen den Urin nicht mehr halten. Dazu empfiehlt sich ein Beckenbodentraining für den Mann. In diesem Beckenbodentraining lernen sie, den Beckenboden zu spüren und zu stärken. Dadurch können sie die Harninkontinenz stoppen.

Sollten Sie den Beitrag noch vor Ihrer Operation lesen, kann es hilfreich sein bereits mit den Beckenbodenübungen zu starten.

Leben ohne Prostata und Erektion

Für viele Männer ist Sex ohne eine Erektion nicht möglich. Aber für Geschlechtsverkehr braucht man keine Erektion. Für die meisten Menschen ist die männliche Sexualität an ein steifes Glied gekoppelt, aber das ist nicht richtig.

Viele Männer die keine Erektion mehr bekommen können, können dennoch einen Orgasmus bekommen und echte Intimität mit einer Frau haben. Eine Frau benötigt kein erigiertes Glied des Partners um zum Höhepunkt zu kommen.

Seien sie kreativ und verwöhnen sie ihre Partnerin. Wenn sie soweit sind, können sie spielerisch und mit vertrauen versuchen ihren Höhepunkt zu erreichen. Lassen sie sich Fallen und geben sie Ihrer Partnerin das Zepter in die Hand.

Sie dürfen ihre Sexualität nicht an ihr Geschlechtsorgan koppeln. Sexualleben hat eine völlig andere Bedeutung. Zärtlichkeiten, Intimität und sich Zeit für den Partner nehmen sind einige wichtige Säulen. Ihr Partner darf sie nicht unter Druck setzten. Stattdessen sollten sie unterstützt werden, finden sie gemeinsam heraus, wie sie ihren Höhepunkt erreichen.

Statistiken in Deutschland

In Deutschland werden jedes Jahr bis zu 30.000 Männer an der Prostata operiert. Das Durchschnittsalter beträgt ca. 66 Jahre. Komplikationen nach der Operation in Form einer erektilen Dysfunktion sind nicht selten. Viele Männer haben bereits vor der Entfernung der Prostata Probleme mit der Erektion.

Besonders schlimm ist es natürlich, wenn sie vorher noch eine sehr gesunde Libido hatten und nach der Operation nicht mehr den Verkehr haben können, den sie gerne hätten. Sollten die Nerven im Genitalbereich nicht beschädigt worden sein, dann lohnt sich der Versuch Viagra, Cialis oder Levitra zu verwenden.

Diese Potenzmittel gehören zu den PDE 5 Hemmern, sie sollten sich die Beiträge zu den Potenzmitteln sehr genau durchlesen, denn diese haben sehr starke Nebenwirkungen. Sollten diese Potenzmittel keine Wirkung auf sie haben, kann sie eine Vakuumpumpe für den Penis lohnen. Viele Männer die ein Leben ohne Prostata führen wählen diesen Weg. Der große Nachteil ist, dass sie 5 Minuten vor dem Sex die Pumpe benutzten müssen, spontaner Geschlechtsverkehr ist damit sicherlich nicht möglich.

Nachsorge nach der Prostata Entfernung

Die Anzahl der Rückbildung von Krebszellen nach der Operation macht das Leben ohne Prostata noch einmal schwieriger, 30 Prozent der operierten Männer bekommen im Laufe der folgenden Jahre wieder Krebs.

Den Krebs Befall unterscheidet man dabei in zwei verschiedene Arten. Der Krebs tritt an dem Ort aus, wo die Operation stattgefunden hat oder der Krebs tritt an einer anderen Stelle des Körpers aus. Im zweiten Fall spricht man von Metastasen.

Drei Monate nach dem Ende der Therapie beginnt man mit der Nachsorge. Die Nachsorge ist so wichtig, um frühzeitig zu erkennen, ob sich der Krebs wieder bildet. Im ersten und zweiten Jahr wird alle drei Monate der PSA Wert kontrolliert. Das ist durch einen einfach Bluttest möglich.

Wichtig bei der Nachsorge ist, dass der PSA Wert ungefähr gleich bleibt. Schwankungen deuten auf ein Krebs leiden hin. Im dritten und vierten Jahr wird der PSA Wert nur noch alle sechs Monate geprüft und ab dem fünften Jahr erfolgt die Kontrolle nur noch einmal im Jahr.

Wann sollte ich zum Arzt?

Sollten sie noch eine Prostata haben empfiehlt es sich einmal jährlich einen Arzt aufzusuchen und sich durchchecken zu lassen. Bei den folgenden Symptomen sollten sie einen Arzt aufsuchen:

  • Probleme beim Urinieren
  • Geschwächter Urin Strahl
  • Nachtropfen
  • Nächtliches starkes Urinieren
  • Harnstottern

Nicht alle Symptome bedeuten sofort, dass man unter Prostatakrebs erkrankt ist. Es sind eben nur Symptome, die auf eine Erkrankung schließen können, aber nicht müssen. In jedem Fall gilt, dass Vorsorge immer besser ist als Nachsorge.

Fazit zum Leben ohne Prostata

Grundsätzlich ist das Leben ohne Prostata möglich und es ist ebenfalls möglich, ein erfülltes Sexualleben zu führen. Bei dieser Aussage ist natürlich wichtig, was ist für sie Sexualität? Wenn eine erfüllte Sexualität für sie nur aus der Penetration ihres Geschlechtsteils besteht und der abschließende Orgasmus, dann werden sie sicherlich nicht glücklich.

Es gibt jedoch eine sehr gute Nachricht, wenn ihr Selbstwertgefühl nicht an ihr eregiertes Glied geklammert ist. Ihrer Partnerin ist das ziemlich egal, denn es gibt noch viele andere Möglichkeiten Intimität mir ihrer Partnerin auszuleben.

Beim Sex geht es nicht nur um eine Befriedigung des Körpers. Sondern auch darum sich in der Beziehung zu vermitteln. So kann man Gefühle, die Nähe zum Partner, Sicherheiten und das Gefühl von Geborgenheit vermitteln.

Nutzen sie das Leben ohne Prostata, um ihr Sexualleben neu zu entfachen. Eine orale Befriedigung der Frau und das erkunden ihres Körpers wird ihre Frau sicherlich mehr vergnügen bereiten, als das stumpfe Penetrieren. Sprechen sie mit ihrer Partnerin über ihre Vorlieben und bauen sie sich gemeinsam ein neues und aufregendes sexuelles Erlebnis auf.

Häufige Fragen zu Leben ohne Prostata

Kann man die Prostata ganz entfernen?

Die Prostata kann komplett entfernt werden. Eine wichtige Frage ist, ob noch mehr als nur die Prostata entfernt werden muss, so kann es sein, dass der Krebs bereits außerhalb der Prostata am streuen ist. Wenn Beispielsweise der Krebs auf die Genitalnerven gestreut hat, dann ist die Entfernung der Nerven erforderlich und eine Erektion im klassischen Sinn ist nicht mehr möglich.

Was passiert wenn man keine Prostata mehr hat?

Nach der Operation beginnt zuerst die Reha. Die Erektionsfähigkeit kann zurück kommen, muss sie aber nicht. Einen großen Einflussfaktor hat die Operation selbst. Eine wichtige Frage ist, wie weit hat der Krebs sich ausgebreitet und wie viel muss man entnehmen. Dies wird in den meisten Fällen erst zu 100 Prozent während der Operation deutlich.

Macht die Prostata-OP impotent?

Direkt nach der Operation werden sie sicherlich Probleme haben eine Erektion zu bekommen. Ob sie an einer Impotenz leiden, wird sich erst Monate nach dieser Operation zeigen. Die Erektionsfähigkeit kann auch erst nach Jahren wieder zurück kommen.